Interview

Jonathon Heyward: "Ein Konzertabend ist spannender als Netflix"

Jonathon Heyward ist seit 2021 Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie. Wie verändert seine Perspektive das Orchester?

Der Dirigent Jonathon Heyward will klassische Musik zugänglicher machen. Denn der Zugang dazu ist keinesfalls selbstverständlich. Er selbst sagt, die klassische Musik sei zu ihm gekommen – in der Schule hatte er erste Berührungspunkte erst mit Gesang, dann mit dem Cello. Heute will er alle davon überzeugen: Klassische Musik sollte niemanden ausschließen. Was es für einen Wandel braucht, verrät er uns in diesem Gespräch.

Musik, insbesondere klassische Musik, ist oft für ein ganz bestimmtes Publikum bestimmt, nicht alle fühlen sich angesprochen. Wie kann hier ein Wandel gelingen?

„Jeder verdient es, klassische Musik zu hören und jeder sollte verstehen, dass klassische Musik für ihn bestimmt ist. Deswegen müssen wir die Musik den Menschen näherbringen. Das kann in Form verschiedener Spielorte geschehen oder durch die Auswahl der Werke, die wir spielen. Auch wie wir Musik präsentieren spielt eine Rolle: Wir brauchen verschiedene Orte, Set-Ups und Arrangements. Die Zeiten, in denen die Besucher ausschließlich zu uns in die Konzertsäle gekommen sind, sind vorbei. Wir müssen auch auf sie zugehen, Grenzen durchbrechen und uns neue und innovative Wege überlegen, um Menschen zu begeistern.“

Sehen Sie sich hier als Vermittler? Als jemanden, der klassische Musik einem jüngeren und vielfältigeren Publikum präsentiert und zugänglich macht?

„Als Dirigent und damit als musikalischer Botschafter für klassische Musik ist genau das meine Aufgabe und Mission, das treibt mich auf und abseits der Bühne an. Dabei denke ich auch über Möglichkeiten nach, ein vielfältigeres Publikum zu erreichen. Für mich beginnt das schon bei der Planung des Programms. Denn wenn die Gäste erst einmal im Konzertsaal sind, dann muss ich ihnen etwas so präsentieren, dass sie auch Lust haben, wiederzukommen. Deswegen braucht es kluge Programme, damit sich der Abend für sie erfüllt anfühlt.“

Liegt darin auch das größte Potenzial zur Weiterentwicklung? Oder anders gefragt: Was sollte sich verändern?

„Mich interessiert besonders, wie wir diese Grenze zwischen Publikum und Bühne durchbrechen können. Dazu gehört auch, dass alle sich etwas mehr entspannen und versuchen, sich wirklich in die Musikform hineinzuversetzen. Ob das nun bedeutet, dass wir Aufführungen moderieren, also das Publikum direkt ansprechen, um zu erklären worauf die Gäste achten müssen. Oder ob wir die klassische Musik aus den Konzertsälen herausholen und an verschiedenen unbekannten Orten spielen, die eher untypisch sind. Wichtig ist die gemeinsame Erfahrung.“

Was antworten Sie Menschen, die sagen, dass klassische Musik einfach nichts für sie sei?

„Sie vom Gegenteil zu überzeugen ist natürlich eine große Herausforderung. Manchmal genügt aber schon ein kleiner Vergleich: Im Grunde ist ein Konzertabend nämlich auch nichts anderes, als eine Serie, die man streamt. Was beides miteinander verbindet, ist, dass mit beiden Medien eine Geschichte erzählt wird. Uns Menschen interessieren Geschichten. Und ich bin davon überzeugt, dass der Besuch eines Orchesterkonzertes genauso spannend sein kann wie eine Netflix-Serie. Vielleicht sogar noch spannender. Ein Konzert oder ein Orchesterabend hat viel damit zu tun, ganz präsent zu sein und den Moment zu schätzen. Das können Menschen mit klassischer Musik erleben.“

Da steckt ja auch eine gewisse Magie drin, zwischen Ihnen als Dirigent und dem Orchester. Wie entsteht die?

„Wenn man auf der Bühne wirklich präsent ist, dann zwingt das alle anderen auch dazu, wirklich präsent und gleichzeitig sehr konzentriert zu sein. Diese Art der Konzentration, von der aller ersten Note an, die ist sozusagen der Punkt, an dem die Magie wirklich beginnt. Und hoffentlich zieht sich diese Magie durch den ganzen Abend.“

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Sind das Glücksmomente für Sie?

„Auf jeden Fall. Als ich zum ersten Mal mit dem Orchester der Nordwestdeutschen Philharmonie gearbeitet habe, habe ich bei einer Probe Igor Strawinskys „Der Feuervogel“ mitgebracht. Alle haben das bestimmt schon hunderte Male gespielt, aber ich wollte es anders spielen und direkt von der ersten Note an haben es alle sofort verstanden. Diese Art von Chemie, die entweder funktioniert oder nicht, war für mich ein ganz erstaunliches Beispiel dafür, wie diese Magie funktionieren kann.“

Seit 2021 sind Sie Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford. Jetzt werden Sie bei Ihren Auftritten mit Kleidung der Premiummarke BALDESSARINI ausgestattet. Welchen Einfluss hat Ihre Kleidung auf einen Konzertabend?

„Ich denke hier spielt Selbstsicherheit eine große Rolle. Wenn man sich in dem, was man auf dem Podium trägt, sicher und wohl fühlt, dann fällt es leichter genau der Künstler zu sein, der man sein will. Wer sich auf der Bühne mit sich selbst nicht wohl fühlt, kann sich nicht auf das konzentrieren, was wichtig ist: die Musik. Dann kann man sich nicht vollkommen mit der Musik und den eigenen Ideen verbinden. Aber wenn man ganz bei sich selbst ist, sich wohl fühlt, dann kann man sein Bestes geben und sich richtig tief in die Musik fallen lassen und genau das erlebe ich, wenn ich Baldessarini auf der Bühne trage: ich kann ganz ich selbst sein.“

Mit dem, was wir tragen, erzählen wir auch eine Geschichte. Kleidung transportiert Haltungen, Werte, Individualität. Ist es aus Ihrer Sicht wichtig, was wir tragen, wenn wir in einen Konzertsaal gehen? Und warum?

„Ich denke, dass die Zeiten vorbei sind, in denen wir auf Konzertabenden ausschließlich formelle Kleidung tragen müssen, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Mir ist es wichtig, dass die Gäste nicht das Gefühl haben, sie müssten sich verkleiden. Niemand soll sich unbehaglich fühlen, niemand soll denken, er sei fehl am Platz. Denn dann wird es schwer, die Musik wirklich zu erleben und sich für diese Erfahrung zu öffnen.“

Sind Sie Dirigent oder Storyteller?

„Ich bin beides. Ich vermittle Geschichten durch das Dirigieren. Das ist der wichtigste Teil meiner Arbeit: eine Geschichte durch Musik auf eine kraftvolle, bedeutungsvolle Weise zu erzählen.“

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